Wenn der Schulleiter zum Akkuschrauber greift

Beim Schichtwechsel tauschten drei Beschäftigte des Andreaswerkes für einen Tag ihren Arbeitsplatz. Ihre Tauschpartner lernten im Gegenzug den Arbeitsalltag in den Werkstätten kennen.

Pausenaufsicht führen, den Unterricht begleiten, Aufgaben verteilen und kontrollieren: Finn Kuhlmann hatte an seinem Tag an der Gerbertschule in Visbek einiges zu tun. „Das war schon anstrengend“, stellte der Beschäftigte aus der Industriemontage der Werkstatt Vechta im Anschluss fest. Abgeschreckt hat ihn das allerdings nicht. „Es hat Spaß gemacht und ich würde das gerne noch mal machen“, sagt er über den Aktionstag Schichtwechsel im Andreaswerk. Bei den Schülerinnen und Schülern kam der Lehrer auf Zeit ebenfalls gut an. „Herr Kuhlmann ist cool“, gab Lehrerin Hanna Berns beim Abschlussgespräch in Lohne das Urteil der Kinder wieder.

Respekt für den Arbeitsalltag seines Tauschpartners brachte auch Thomas Möller von seinem Werkstatttag zwischen Akkuschrauber und Glasschneider mit zurück. Als „runde Sache mit hohem Erkenntnisgewinn“ beschrieb der Schulleiter der Gerbertschule seinen Blick hinter die Kulissen, bei dem er unter anderem erfuhr, für welche Unternehmen in der Werkstatt produziert wird und welche Logistik dahintersteckt. Sein eigenes Arbeitstempo in der ungewohnten Umgebung nahm Möller dabei mit Humor. „Die anderen haben deutlich mehr geschafft als ich“, räumte er augenzwinkernd ein. Einen guten Eindruck hatte er offenbar trotzdem hinterlassen. „Ich darf wiederkommen“, freute er sich über die Rückmeldung aus der Gruppe.

Was leisten Werkstätten eigentlich und wofür stehen sie? Genau das kann der Schichtwechsel laut Markus Ideler sichtbar machen. Er ermögliche Begegnungen und Einblicke und trage damit dazu bei, Barrieren und Vorurteile abzubauen, so der Geschäftsbereichsleiter Werkstatt. Für das Andreaswerk war es bereits die fünfte Teilnahme am bundesweiten Aktionstag, bei dem Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen für einen Tag den Arbeitsplatz tauschen. Organisiert wird er hier von Mitarbeitenden aus dem Geschäftsbereich Werkstatt sowie Mitgliedern des Werkstattrates.

Begegnungen mit dem Andreaswerk hatte Sebastian Gehrold als Bürgermeister der Gemeinde Steinfeld zwar schon früher. Den Arbeitsalltag in der dortigen Werkstatt kannte er bislang allerdings nur von außen. Beim Schichtwechsel ging es für ihn nun selbst an die Werkbank – und wenig später unter genauer Anleitung der routinierten Kolleginnen zum ersten Mal an eine Wäschemangel. Von einer „netten Truppe und einer schönen Atmosphäre“ berichtete der Bürgermeister im Anschluss. Und davon, wie dankbar er sei, dass es das Andreaswerk in seiner Gemeinde gebe.

Den anderweitig beschäftigten Bürgermeister vertrat derweil Tobias Migenda. Im Steinfelder Rathaus wurde der Tauschpartner herzlich empfangen und per Urkunde offiziell zum „Bürgermeister für einen Tag“ ernannt. Ein Titel, der nach einer kleinen Tour durch das Rathaus auch gleich die eine oder andere Verpflichtung mit sich brachte. So gratulierte Migenda unter anderem einer Mitarbeiterin zum Geburtstag, setzte seine Unterschrift unter einige Dokumente und brachte in einer Besprechung eigene Vorschläge für den Nikolausmarkt ein.

Für Jens-Udo Kümmel war der Schichtwechsel an diesem Tag dagegen erst zur Hälfte absolviert. Weil bei RASTA Vechta am Abend ein Heimspiel anstand, soll sein Gegenbesuch beim Basketballverein zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Im RASTA Dome war er an diesem Tag natürlich dennoch – zum Anfeuern. Schließlich sei er „Fan durch und durch“, wie er beim Abschlussgespräch verriet.

Umso mehr freute sich der Beschäftigte aus der Werkstatt Vechta darüber, dass sich Gerrit Kersten-Thiele trotz des Heimspieltages Zeit für einen Besuch an seinem Arbeitsplatz in der Industriemontage nahm. Warum der RASTA-Sportdirektor beim Schichtwechsel dabei sein wollte? Weil er es wertvoll und interessant finde, für einen Tag eine andere Perspektive einzunehmen, erklärte Kersten-Thiele. Ähnlich neugierig blickte Kümmel Teil zwei dieser Schichtwechsel-Partie entgegen: „Mich interessiert auch sehr, was die da so machen.“

 

Die drei Tauschpaare beim Schichtwechsel 2026 im Andreaswerk im Überblick:

  • Finn Kuhlmann (Werkstatt Vechta) und Thomas Möller (Gerbertschule Visbek)
  • Tobias Migenda (Werkstatt Steinfeld) und Sebastian Gehrold (Gemeinde Steinfeld)
  • Jens-Udo Kümmel (Werkstatt Vechta) und Gerrit Kersten-Thiele (RASTA Vechta)
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