Aus einer Zusammenarbeit wird großes Kino
Seit Jahren tauschen sich die Frauenbeauftragten des Andreaswerkes mit den Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Vechta aus. Nun ist eine gemeinsame Kinovorführung des Films "Luisa" geplant.
Nein, vorschnell zusagen wollten die Frauenbeauftragten des Andreaswerkes, Kim Hannekum, Sabrina Berndzen und Jacqueline Telljohann, nicht. Als Astrid Brokamp, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Vechta, mit der Idee auf sie zukam, den Film „Luisa“ gemeinsam im Kino zu zeigen, schauten sie sich erst einmal den Trailer an, ließen ihn wirken und diskutierten. Am Ende waren sich die drei trotz des sensiblen Themas einig. „Wir wollten das Projekt starten“, sagt Telljohann rückblickend.
Aber worum geht es eigentlich bei „Luisa“? Der Film erzählt von der 22-jährigen Luisa, die mit einer Beeinträchtigung in einer Wohneinrichtung lebt. Als sie schwanger wird, steht der Verdacht im Raum, dass sie Opfer sexueller Gewalt geworden ist. Dabei rückt der Film, in dem Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen spielen, auch Luisas Alltag und ihre Beziehungen sowie Fragen nach Selbstbestimmung in den Blick.
Er greift damit gleich mehrere Themen auf, über die zu sprechen die Frauenbeauftragten in den Werkstätten des Andreaswerkes wichtig finden. Immerhin gehört es zu ihren Aufgaben, sich für Aufklärung zum Thema Gewalt einzusetzen, bei Problemen im Alltag oder am Arbeitsplatz zu unterstützen und Frauen mit Beeinträchtigungen in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken. Im Andreaswerk wurden 2017 erstmals Frauenbeauftragte gewählt. Seit 2018 arbeiten sie mit den Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Vechta zusammen. Zweimal im Jahr treffen sich beide Seiten zum Austausch, bei Bedarf häufiger. Dabei geht es beispielsweise um Barrierefreiheit, um Hilfsangebote und Informationsmaterialien. Oder um die Schilder gegen Gewalt an Frauen, die auch im Andreaswerk hängen.
Für Kim Hannekum ist dabei wichtig, dass die Sichtweise der Frauenbeauftragten aus den Werkstätten gehört und ihre Arbeitsweise respektiert wird. Sabrina Berndzen wiederum gefällt besonders, wie aktiv sie sich einbringen kann. Die Aufgabe mache ihr viel Spaß, sagt die stellvertretende Frauenbeauftragte, und sie freue sich schon auf die weitere Zusammenarbeit.
Mit „Luisa“ führt dieses Miteinander nun erstmals zu einer gemeinsamen öffentlichen Veranstaltung. Für Astrid Brokamp zeigt sich dabei ganz konkret, was sie an dem Austausch schätzt: „Die unterschiedlichen Blickwinkel sind für mich sehr wertvoll. So landen auch Punkte auf dem Tisch, an die ich selbst vielleicht gar nicht gedacht hätte.“ Dazu passt, dass frühzeitig auch die Präventionsfachkräfte des Andreaswerkes mit an Bord kamen. Eine der gemeinsam erarbeiteten Ideen: bei den Vorführungen ein Fürsorge-Team einzusetzen. Es soll aus Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen bestehen und außerhalb des Kinosaals eine Anlaufstelle bieten.
Ebenfalls zum Vorbereitungsteam gehört Rebecca Fischer. Dass die Wahl des Veranstaltungsortes auf die Stadt Lohne fiel, freut die dortige Gleichstellungsbeauftragte natürlich besonders. Und auch mit Blick auf die möglichen Gäste hält sie den Standort für ideal. Immerhin liege die Stadt sehr zentral im Landkreis, erklärt sie. Für die Abstimmung mit dem Kino konnte Fischer zudem auf eine ihr bekannte Ansprechpartnerin setzen. Mit Lydia Stuntebeck vom Capitol Lohne hatte sie bereits zuvor gut zusammengearbeitet. Besondere Filme und Veranstaltungen nehme das Kino gerne ins Programm, erzählt die Kino-Geschäftsführerin dazu. Lange überlegen musste sie deshalb auch bei „Luisa“ nicht.
Im November kommt „Luisa“ nun also im Capitol Lohne auf die Leinwand. Neben zwei Vormittagsvorstellungen für Menschen mit Beeinträchtigungen aus dem Andreaswerk sowie für Berufsschulklassen ist am 11. November um 19 Uhr auch eine öffentliche Abendvorstellung geplant. An diese schließt sich ein Filmgespräch mit der Dramaturgin Silke Merzhäuser an. Karten hierfür gibt es über das Kino. Unterstützt wird das Projekt durch „Gleichstellung sichtbar machen – CEDAW in Niedersachsen“ (www.cedaw-in-niedersachsen.de) und die LzO-Stiftung.