Einrichtungen bereiten sich auf Systemwechsel vor

Vechta - Mit arbeitsmarktnahen Arbeitsplätzen in von ihnen betriebenen Cafés, Kantinen oder Sozialkaufhäusern schlagen Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) beziehungsweise ihre Träger seit Jahren wichtige Brücken in die Gesellschaft und den ersten Arbeitsmarkt. Ein Konzept, das auch bei den Beschäftigten mit Beeinträchtigungen selbst gut ankommt, wie Matthias Warnking, Geschäftsführer des Andreaswerkes, weiß. Doch nur ein Teil der für solche Angebote notwendigen Flächen wird vom Land anerkannt und damit bei der Refinanzierung der Investitionskosten berücksichtigt. Das Problem: Das Raumprogramm, das zur Bemessung herangezogen wird, stammt noch aus den 70er Jahren – und bezieht sich auf den Bau größerer Werkstattgebäude. „Dort ist der Flächenbedarf pro Person aber geringer als zum Beispiel in unserer Manufaktur“, betonte Warnking jetzt im Rahmen eines Besuches der Arbeitskreise (AK) Soziales der CDU Landtags- sowie Kreistagsfraktion vor Ort.

Es könne nicht sein, dass eine über 40 Jahre alte Regelung nicht angepasst werde, bekräftigte Christoph Eilers, MdL, der den Besuch von Seiten des AK Soziales der CDU Landtagsfraktion initiiert hatte. Insgesamt waren fünf CDU-Landtagsabgeordnete der Einladung in das Café und den Werkstattladen an der Großen Straße in Vechta gefolgt. Auch im Namen seiner Kollegen versprach der Politiker aus Cloppenburg, das angesprochene Problem im Auge zu behalten – ebenso wie die weiteren Entwicklungen in Sachen Bundesteilhabegesetz (BTHG).

Tritt zum 1. Januar 2020 die dritte Reformstufe des, so Eilers, „entscheidenden Gesetzes“ in Kraft, werden  die bisherigen Pauschalleistungen der Eingliederungshilfe aufgespalten in existenzsichernde Leistungen und Fachleistungen. Unter anderem für das Andreaswerk – und dort insbesondere den Fachbereich Wohnen und Assistenz – bedeutet dieser Systemwechsel in der Finanzierung eine enorme Umstellung. „Haben wir bislang in unseren Wohneinrichtungen Komplexleistungen angeboten, müssen wir diese nun in drei Module aufschlüsseln. Zwei Rechnungen, nämlich für das Wohnen und für das Essen, gehen dann direkt an den Leistungsberechtigen, die Rechnung für Assistenzleistungen hingegen an den Leistungsträger“, erläuterte Matthias Warnking eine der anstehenden Veränderungen. Das BTHG und vor allem die darin geforderte Personenzentrierung, die den Menschen und seinen individuellen Bedarf in den Mittelpunkt stellt, beurteilten er und die übrigen Teilnehmer der Gesprächsrunde zwar als richtige und gute Entwicklung. Fehlendes Personal auf allen Ebenen und teils unklare Rahmenbedingungen würden die Umsetzung vor Ort allerdings  erschweren, so das Fazit. 

Christoph Eilers, MdL bedankte sich im Anschluss für das konstruktive Gespräch. Für ihn und die die übrigen Mitglieder des Arbeitskreises der Landtagsfraktion ging es am Mittag weiter nach Cloppenburg. Im Nachbarlandkreis informierten sie sich über die Arbeit des Caritasvereins Altenoythe.

ak soziales lq
Bei dem Termin in der Manufaktur ging es unter anderem um die Schaffung arbeitsmarktnaher Arbeitsplätze sowie um die dritte Reformstufe des Bundesteilhabegesetzes.
Foto: Thiel/Andreaswerk