Spannender Blick hinter die Kulissen

Vechta/Lohne - Nachtisch vorbereiten, Tische abräumen, Geschirr spülen, Essen ausgeben: Einen Promi-Bonus gab es für Vechtas Bürgermeister Kristian Kater in dem Café Manufaktur des Andreaswerks nicht. Dafür aber das eine oder andere Kompliment. „Er schlägt sich gut“, lautete das Urteil einer Mitarbeiterin, während ihr Kollege nach einem neugierigen Blick in die Spülküche augenzwinkernd verkünden konnte: „Der Bürgermeister rockt den Abwasch!“

Angeregt durch seinen Werkstattrat beteiligte sich das Andreaswerk erstmals an dem Aktionstag „Schichtwechsel“, in dessen Rahmen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen für einen Tag den Arbeitsplatz tauschen. Sich öffnen, Vorurteile abbauen, einen Perspektivwechsel ermöglichen – diese Ziele des inzwischen fünften „Schichtwechsels“ hatte sich auch die Vorbereitungsgruppe des Vereins aus dem Landkreis Vechta auf die Fahnen geschrieben und damit bei den potentiellen Tauschpartnern offene Türen eingerannt. „Mit der Stadt Vechta und der Firma Pöppelmann verbindet uns seit Jahren eine enge Zusammenarbeit. Da lag es für uns nahe, für die ‚Schichtwechsel‘-Premiere zunächst dort anzufragen“, hieß es dazu während der mehrwöchigen Organisationsphase aus der Gruppe, bestehend aus Mitgliedern des Werkstattrats sowie Mitarbeitenden des Geschäftsbereiches Werkstatt.

Ebenso schnell wie die externen Teilnehmer, Bürgermeister Kristian Kater und Pöppelmann-Geschäftsführer Matthias Lesch, waren die passenden Kandidatinnen aus dem Kreis der Werkstattbeschäftigten gefunden. „Ich war schon neugierig“, erinnerte sich Johanna Mählmann beim Abschlussgespräch in der Manufaktur an den Moment, als ihr der Job als Bürgermeisterin auf Zeit angeboten wurde. Den Tag selbst, ergänzte sie, habe sie dann einfach auf sich zukommen lassen. So wie ihre Kollegin Renate Asmus. Für die Beschäftigte aus der Dienstleistungsgruppe der Werkstatt Vechta standen als vorübergehende Chefin der Firma Pöppelmann unter anderem eine Besichtigung des Firmengeländes, das Gravieren einer Plakette, Gespräche mit den Mitarbeitenden und Marketingentscheidungen auf dem rund fünfstündigen Programm. Ein von ihr ausgewähltes Bild werde nun langfristig für Kampagnen eingesetzt, berichtete sie im Nachgang stolz. Und verriet auch, was sie besonders überrascht hatte: „Die große Anzahl an Maschinen in den Produktionshallen.“

Wie die Kunststoffartikel, die mithilfe einige dieser Maschinen entstehen, anschließend im Andreaswerk montiert werden, erfuhr derweil ihr Tauschpartner Matthias Lesch in der Dienstleistungsgruppe bzw. Industriemontage am Werkstattstandort Landwehrstraße. „Bislang kannte ich nur unser Ende der Produktionskette. Zu sehen, wie die Prozesse auf Seiten des Andreaswerks funktionieren, war für mich sehr interessant“, erläuterte der Pöppelmann-Geschäftsführer, der zusätzlich unter anderem als Bedienung am Kiosk und als Begleiter des Wäschetransports zur hauseigenen Wäscherei zum Einsatz kam. Beeindruckt habe ihn insbesondere die große Vielseitigkeit und die zahlreichen ineinandergreifenden Abläufe in der Werkstatt, fasste er abschließend zusammen.

Kristian Kater sah das nach seinem „spannenden Blick hinter die Kulissen“ ähnlich. „Als Gast am gedeckten Tisch bemerkt man nicht, wie viel Logistik eigentlich dahintersteckt“, erklärte er beim Austausch am Nachmittag. Es freue ihn, dass er diese Erfahrung habe machen dürfen und dass die Manufaktur so gut von der Bevölkerung angenommen werde. Dem „tollen Team“ des Cafés dankte der Bürgermeister in diesem Zusammenhang noch einmal für die herzliche Aufnahme. „Ich glaube, die Arbeit macht hier jedem Spaß“, zeigte er sich überzeugt.

Sichtlich Spaß machte seiner Tauschpartnerin Johanna Mählmann aber auch die Rolle als Bürgermeisterin. Sie habe einen Rundgang gemacht, eine spontane Rede im Saal gehalten, im Trauzimmer auf dem Sofa Platz genommen, bei der Modernisierung eines Spielplatzes mitentschieden und Urkunden gestempelt und unterschrieben, zählte das Stadtoberhaupt für einen Tag begeistert auf. Und schmunzelte mit Blick auf die von ihr unterzeichneten Urkunden: „Die Leute werden wahrscheinlich überrascht sein, dass da 'Bürgermeisterin' steht.“

Denn: „Es gab bisher noch keine Bürgermeisterin in Vechta, nur Bürgermeister. Ich war quasi die Erste“, betonte sie. Ob sie sich vorstellen könnte, den Job dauerhaft zu übernehmen? „Der Tag war super“, so ihr positives Fazit zum „Schichtwechsel 2022“. Doch für Johanna Mählmann stand mit Blick auf ihren gewohnten Arbeitsplatz in der Manufaktur des Andreaswerks auch fest: „Ich gehöre hierhin.“


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Bürgermeister Kristian Kater half unter anderem bei der Essensausgabe und sorgte damit bei den Gästen der Manufaktur für den einen oder anderen verwunderten Blick.
Foto: Thiel/Andreaswerk

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Johanna Mählmann hatte sichtlich Spaß als Bürgermeisterin auf Zeit.
Foto: Gerecke/Stadt Vechta

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Verfahrensmechanikerin und Ausbildungsbeauftragte Frauke Klumpe (re.) gab der interessierten „Geschäftsführerin auf Zeit“ einen Überblick über den aktuellen Stand der KAPSTO-Produktion. Diese Maschinen interessierten Renate Asmus (li.) ganz besonders. Mit gutem Grund: Die Werkstatt des Andreaswerks gehört seit Jahren zu den wichtigen Dienstleistern dieses Pöppelmann-Geschäftsbereichs.
Foto: Honkomp/Pöppelmann

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So wird’s gemacht: Pöppelmann-Geschäftsführer Matthias Lesch lässt sich in der Industriemontage von einem Kollegen die Arbeit an einer Maschine erklären, mit der Kunststoffartikel aus seinem Unternehmen bearbeitet werden.
Foto: Thiel/Andreaswerk

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Beim Abschlussgespräch in der Manufaktur berichteten die Tauschpartnerinnen und Tauschpartner (v. li.) Bürgermeister Kristian Kater, Johanna Mählmann, Renate Asmus und Matthias Lesch von ihren Erlebnissen während des „Schichtwechsels 2022“.
Foto: Thiel/Andreaswerk

Andreaswerk feiert 37. Kleines Schützenfest

Vechta - Die Gäste und aktiven Teilnehmenden hatten sich nach der Auslosung der Reihenfolge gerade erst wieder sortiert, da war der Adlerrumpf – und damit die Entscheidung – auch schon gefallen. Elisabeth Deux holte als Anwärterin Nummer drei beim Königsschießen den Vogel von der Stange und regiert nun für ein Jahr die Schützinnen und Schützen des Andreaswerks. Damit löste sie Volker Peschke ab, der den Titel und die Königskette zuvor drei Jahre lang tragen durfte. Denn: 2020 und 2021 musste das Kleine Schützenfest, wie viele andere Veranstaltungen, aufgrund der Pandemie abgesagt werden.

So schnell sei noch nie geschossen worden, zeigte sich Walter Thie anschließend beim Blick auf die Uhr und die mittlerweile 39-jährige Geschichte der Veranstaltung überzeugt. Dass diese Geschichte nun mit der 37. Ausgabe fortgeschrieben werden konnte, freute den Initiator des Kleinen Schützenfestes ebenso wie den Bürgerschützenverein (BSV) Vechta als Ausrichter und die Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen aus dem Andreaswerk und dessen Umfeld. Entsprechend groß war die Anzahl an Gästen, die Walter Thie nach dem Auftaktgottesdienst unter dem passenden Motto „Und es geht schon wieder los - Gemeinsam feiern“ in der Cafeteria des Andreaswerks begrüßen konnte.

„Wenn Schützen feiern, sind Gäste immer herzlich willkommen“, betonte er zu Beginn der dortigen Kaffeetafel, die traditionsgemäß vom BSV-Thron um Königspaar Peter Langhorst und Adelheid Rahmen gespendet und von den Frauen der Stadtkompanie Mitte serviert wurde. Ihnen galt ebenso sein Dank wie der Adlergruppe für die Vorbereitung des Schießens, dem Organisationsteam von Seiten des Andreaswerks sowie den weiteren Anwesenden aus dem Schützenverein – darunter Hofmarschall Andreas Kirsch, Kinderkönig Tom Guse mit Carla Bröring, Prinz Bastian Such mit Sara Basan und das Adjutantenpaar des Kaisers, Renate und Ernst Geerken. Ein weiteres Dankeschön an alle Mitwirkenden sowie Besucherinnen und Besucher folgte später am Tag in Form einer besonderen Überraschung: Als zweiten sportlichen Höhepunkt hatte der BSV die Showgruppe Akrolohnikas für einen Auftritt eingeladen.



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Vertreterinnen und Vertreter aus dem Bürgerschützenverein Vechta sowie aus dem Andreaswerk gratulierten der neuen Königin Elisabeth Deux (4. v. li.).
Foto: Thiel/Andreaswerk

Schüler arbeiten für guten Zweck im Andreaswerk

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Ölwechsel statt Mathe und Kindermöbel zusammenschrauben statt Vokabeln pauken: Mattis Surmann (li.) und Anton Ideler (re.) wechselten kürzlich im Rahmen eines sozialen Tages von der Schulbank in die Tischlerei bzw. die Kfz-Werkstatt des Andreaswerks am Standort Vechta. Ihren Arbeitslohn spendeten die beiden engagierten Schüler des Kolleg St. Thomas in Vechta im Anschluss an das Projekt „Schüler Helfen Leben“ und unterstützen damit Gleichaltrige z.B. aus Südosteuropa, Syrien oder auch der Ukraine. „Ich habe mitgemacht, weil es für einen guten Zweck und eine neue Erfahrung für mich ist“, erklärt Anton seine Beweggründe für die Teilnahme. Ein weiteres Mal dabei sein? Das können sich beide gut vorstellen. „Ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen“, ermuntert Mattis noch unschlüssige Schülerinnen und Schüler. Der Tag, betont er, habe ihm viel Spaß gemacht. 

 

Elf inklusive Staffeln treten beim Triathlon Heidesee an

Holdorf - Drei Mal ist Marvin Bothe bislang mit seinem Fahrrad beim Triathlon Heidesee gestartet. Ob er auch ein viertes Mal mitmachen würde? „Ja, klar“, muss der Bewohner einer Betreuten Wohngruppe des Andreaswerks im Anschluss an die diesjährige, zehnte Auflage nicht lange überlegen. „Auf jeden Fall!“

Für das Andreaswerk beziehungsweise den dortigen Geschäftsbereich Wohnen und Assistenz war es bereits die vierte Teilnahme seit der Premiere der eigenen, inklusiven Staffeln im Jahr 2017. 2020 fiel der Triathlon wegen der Pandemie aus, 2021 verzichtete der Veranstalter coronabedingt auf einen Staffelwettkampf. Nachgelassen hat das Interesse auf Seiten der Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen aus dem Verein und dessen Umfeld aufgrund der Zwangspause indes nicht. Im Gegenteil.

„Wir waren in diesem Jahr mit insgesamt elf Staffeln und der ehrenamtlichen Betreuung eines Verpflegungsstandes wieder stark vertreten. Ohne die Begeisterung unserer Klientinnen und Klienten für das Event und dem gewohnt großen Engagement der vielen aktiv teilnehmenden sowie unterstützenden Freiwilligen wäre das nicht machbar“, betont Guido Moormann. Ebenfalls dankbar ist der Geschäftsbereichsleiter Wohnen und Assistenz, der jedes Mal auch selbst als Staffelmitglied in die Pedale tritt, dem Ausrichter TuS Blau-Weiß Lohne für das regelmäßige Entgegenkommen sowie der Andreas-Stiftung für die erneute Übernahme der Startgebühren. „Hier ziehen alle an einem Strang, um unsere Teilnahme und damit sportliche Teilhabe zu ermöglichen“, freut er sich.

Ähnlich positiv fällt das Fazit von Klaus Westerhoff aus. Erstmals als Aktiver mit von der Partie, legte er die 20 Kilometer lange Radstrecke zusammen mit seiner Tochter zurück. Es habe ihm gut gefallen, berichtet er – und nennt als Grund für seine Teilnahme schmunzelnd den „Spaß an der Freude“. Noch einmal mitfahren: Das kann er sich, wie Mitsportler Marvin Bothe, gut vorstellen.

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Gleich geht’s los: Einige der Teilnehmenden vor dem Startschuss am Strand des Heidesees.
Bild: Thiel/Andreaswerk

Erfolgreicher Neustart für die inklusive Motorradtour

Vechta - Eigentlich hätte die 15. Motorradtour des Wohnbereichs im Andreaswerk bereits im Spätsommer 2020 stattfinden sollen. Doch die Corona-Krise bremste die Teilnehmenden mit und ohne Beeinträchtigungen aus – und die fertigen Pläne landeten fürs Erste in der Schublade von Gerd Padeken. „Wir haben die Tour in den letzten zwei Jahren vermisst“, sagt das Mitglied der Motorradfahrergemeinschaft „Nordtourer“, das seit über zehn Jahren die Routen für die inklusive Fahrt vorbereitet. Entsprechend groß war seine und die Freude der übrigen Biker, als klar wurde, dass dem Neustart Anfang September 2022 nichts im Wege stehen würde.

Rund 150 Kilometer und ein Besuch der Wäscherei des Andreaswerks am Standort Vechta gehörten dieses Mal zum Programm. Gut sechs Stunden waren die Fahrer - unter anderem von den „Nordtourern“ sowie den „Trike, Quad und ATV Freunden Landkreis Diepholz“ - und ihre Mitfahrerinnen und -fahrer mit Beeinträchtigungen unterwegs. Vor der Abfahrt wurde an der Erich Kästner-Schule zusammen gefrühstückt, im Anschluss gegrillt.

An dem Ablauf hat sich damit auch nach der Corona-Pause wenig geändert. „Die meisten Beteiligten haben erwartet und sich gewünscht, dass die Veranstaltung wie in den Jahren vor der Pandemie durchgeführt wird“, erklärt Anneke Harland, die selbst zum ersten Mal als Organisatorin mit von der Partie war. „Immerhin“, so die Mitarbeiterin des Referats Bürgerschaftliches Engagement im Andreaswerk weiter, „hat die Motorradtour Tradition.“

Das empfindet auch Juliane Kurre so. Die Ehrenamtliche packt schon seit der ersten Tour vormittags und nachmittags mit an, damit die Teilnehmenden sich wohlfühlen und die Strecke beziehungsweise die Heimreise frisch gestärkt antreten können.  Als sie beim Vechtaer Tag der Vereine im Mai 2022 gefragt wurde, ob sie im September dabei sein wolle, musste die Helferin der ersten Stunde daher nicht lange überlegen. „Für mich stand sofort fest, dass ich da wieder voll mitmache“, erzählt sie. Das Miteinander, die Leute wiederzusehen und etwas für sie zu tun – das habe ihr in den vergangenen beiden Jahren gefehlt.

„Die, die hier helfen, freuen sich. Aber natürlich genauso die Bewohnerinnen und Bewohner. Das merkt man ganz deutlich“, beschreibt Juliane Kurre die Stimmung unter den Ehrenamtlichen und Menschen mit Beeinträchtigungen. Ein Eindruck, den Ronny Schwarz nur bestätigen kann. Das Mitglied des Werkstattrates nimmt als Mitfahrer ebenfalls regelmäßig und seit einigen Jahren an der Motorradtour teil. Er finde gut, dass es nun wieder losgehe, betont er. Und bringt auf den Punkt, was hier nach den vergangenen zwei Corona-Jahren viele denken: „Endlich wieder gemeinsam Spaß haben!“

Interessierte Bikerinnen und Biker, die sich der Truppe bei der 16. Motorradtour anschließen möchten, können sich an das Referat Bürgerschaftliches Engagement im Andreaswerk wenden. Erreichbar sind die dortigen Mitarbeitenden unter der Telefonnummer 04441 960-151.

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Endlich wieder gemeinsam auf die Straße: Die Teilnehmenden mit und ohne Beeinträchtigungen freuten sich gleichermaßen.